Hormone, Stress und Genetik: Die drei Hauptursachen für Haarausfall

Katharina Weber
December 07, 2025
Hormone, Stress und Genetik: Die drei Hauptursachen für Haarausfall

Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das Millionen von Menschen weltweit betrifft, unabhängig von Alter und Geschlecht. Obwohl es oft als kosmetisches Problem angesehen wird, liegen die Ursachen tief in biologischen und psychologischen Faktoren begründet. In diesem Artikel schauen wir uns die drei Hauptursachen für Haarausfall an: Hormone, Stress und Genetik. Das Verständnis dieser Faktoren kann wertvolle Einblicke in die Mechanismen hinter dem Haarausfall und mögliche Wege zu seiner Bekämpfung liefern.

Die Rolle der Hormone beim Haarausfall

Hormone spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung verschiedener Körperfunktionen, darunter auch das Haarwachstum. Schwankungen im Hormonspiegel können zu erheblichen Veränderungen der Haardichte und -gesundheit führen.

Androgenetische Alopezie: die genetische Komponente

Androgenetische Alopezie, allgemein bekannt als genetisch bedingter Haarausfall, ist die häufigste Ursache für Haarausfall bei Männern und Frauen. Diese Erkrankung wird in erster Linie durch Hormone beeinflusst, die als Androgene bekannt sind, darunter Testosteron und sein Derivat Dihydrotestosteron (DHT). Untersuchungen zeigen, dass etwa 85 % der Männer und 33 % der Frauen irgendwann in ihrem Leben unter auffälligem Haarausfall leiden, der häufig auf dieses hormonelle Ungleichgewicht zurückzuführen ist.

Hormonelle Veränderungen in verschiedenen Lebensphasen

Vor allem Frauen können aufgrund hormoneller Veränderungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Menopause und Erkrankungen wie dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) unter Haarausfall leiden. Diese Schwankungen können zu dünner werdendem Haar oder sogar zu kahlen Stellen führen. So sind beispielsweise über 25 % der Frauen im Alter von 50 Jahren von weiblichem Haarausfall betroffen, was den erheblichen Einfluss hormoneller Veränderungen verdeutlicht.

Stress und seine Auswirkungen auf die Gesundheit der Haare

Chronischer Stress ist ein weiterer wichtiger Faktor, der zu Haarausfall beiträgt. Obwohl der Zusammenhang zwischen Stress und Haarausfall seit Jahren bekannt ist, werden die Mechanismen hinter dieser Beziehung noch erforscht.

Stressbedingten Haarausfall verstehen

Untersuchungen haben gezeigt, dass Stress eine Erkrankung namens Telogen-Effluvium auslösen kann, bei der die Haarfollikel vorzeitig in die Ruhephase des Haarwachstumszyklus eintreten. Dies kann zu sichtbarem Haarausfall und dünner werdendem Haar führen. Eine Studie aus dem Jahr 2021 hat gezeigt, dass ein Stresshormon die für das Haarwachstum notwendigen Stammzellen bei Mäusen beeinträchtigt, was darauf hindeutet, dass Stressbewältigung ein wichtiger Bestandteil bei der Behandlung von Haarausfall sein könnte.

Psychologische Faktoren und Haarausfall

Über die biologischen Auswirkungen hinaus kann psychischer Stress den Haarausfall verschlimmern. Menschen, die unter Angstzuständen oder Depressionen leiden, bemerken möglicherweise vermehrten Haarausfall, was zu einem Teufelskreis aus Stress und Haarausfall führt. Das Verständnis dieses Zusammenhangs ist entscheidend für die Entwicklung wirksamer Bewältigungsstrategien.

Genetik: Der unsichtbare Einfluss

Die genetische Veranlagung ist ein wichtiger Faktor für Haarausfall, vor allem bei androgenetischer Alopezie. Da diese Erkrankung vererbbar ist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Kinder, deren Eltern unter Haarausfall leiden, ähnliche Probleme haben.

Forschung zu genetischen Markern

Studien haben bestimmte genetische Marker identifiziert, die mit Haarausfall in Verbindung stehen, und geben so Einblicke, wie die Genetik die Gesundheit der Haare beeinflusst. Zum Beispiel können Variationen in Genen, die mit Androgenrezeptoren zusammenhängen, die Anfälligkeit für Haarausfall erhöhen. Diese genetische Komponente zeigt, wie wichtig es ist, die Familiengeschichte zu verstehen, wenn man das Risiko für Haarausfall einschätzt.

Zukünftige Richtungen in der Genforschung

Während die Forschung weitergeht, suchen Wissenschaftler nach möglichen genetischen Therapien, die Haarausfall lindern könnten. Auch wenn diese Fortschritte noch am Anfang stehen, sind sie vielversprechend für Leute, die nach Lösungen suchen, die auf ihr genetisches Profil zugeschnitten sind.

Neueste Entwicklungen in der Behandlung

Im Juni 2022 hat die FDA eine neue Behandlung für Alopecia areata zugelassen, was einen wichtigen Meilenstein in der Behandlung dieser Erkrankung darstellt. Baricitinib, die erste systemische Behandlung für Alopecia areata, gibt den von dieser Autoimmunerkrankung Betroffenen Hoffnung.

Alopecia areata verstehen

Alopecia areata betrifft zu einem bestimmten Zeitpunkt etwa 0,1–0,2 % der Bevölkerung, mit einer Lebenszeitprävalenz von etwa 2 %. Diese Erkrankung ist durch plötzlichen Haarausfall in Flecken gekennzeichnet und kann für die Betroffenen sehr belastend sein.

Potenzial für zukünftige Behandlungen

Die Zulassung von Baricitinib ist ein wichtiger Schritt nach vorne, aber weitere Forschung ist wichtig, um zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Während Wissenschaftler weiterhin die zugrunde liegenden Mechanismen des Haarausfalls untersuchen, könnten neue Therapien entstehen, die nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen bekämpfen.

Die Komplexität des Haarausfalls verstehen

Das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Hormonen, Stress und Genetik ist für alle, die mit Haarausfall zu kämpfen haben, von entscheidender Bedeutung. Auch wenn diese Faktoren überwältigend erscheinen mögen, ist Wissen Macht. Durch das Erkennen der potenziellen Einflüsse auf die Haargesundheit können Betroffene proaktive Maßnahmen zur Bekämpfung ihres Haarausfalls ergreifen.

Ob durch Änderungen des Lebensstils, Techniken zum Stressmanagement oder die Erforschung neuer Behandlungsmöglichkeiten – für Menschen, die von Haarausfall betroffen sind, gibt es Hoffnung. Da die Forschung weiter voranschreitet, sieht die Zukunft vielversprechend aus für die Entwicklung wirksamer Strategien zur Bekämpfung dieses weit verbreiteten Problems.

Entspannung für die Kopfhaut: Kopfmassagen gegen Haarausfall

Haarausfall kann durch viele Faktoren ausgelöst werden, darunter auch Stress und eine verspannte Kopfhaut, welche die Durchblutung der Haarfollikel einschränken kann. Eine einfache, aber effektive Methode zur Entspannung und Förderung der Durchblutung ist die regelmäßige Kopfmassage. Sie hilft, Spannungen zu lösen, die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Haarwurzeln zu verbessern. Studien deuten darauf hin, dass eine standardisierte Kopfmassage die Durchblutung der Kopfhaut erhöhen und die Haardicke stimulieren kann, indem sie Dehnungskräfte auf die dermalen Papillenzellen überträgt, was indirekt dem Haarausfall entgegenwirkt und das Haarwachstum unterstützt.

So geht's:

  • Vorbereitung: Nimm dir 5 bis 10 Minuten Zeit. Du kannst die Massage mit oder ohne Haaröl durchführen.

  • Technik: Setze die Fingerkuppen (nicht die Nägel!) beider Hände auf deine Kopfhaut. Beginne an den Schläfen und arbeite dich langsam nach oben und hinten vor.

  • Bewegung: Übe sanften, aber festen Druck aus und mache kleine, kreisende Bewegungen. Wichtig: Verschiebe dabei die Haut über den Schädel, nicht nur die Finger über das Haar.

  • Dauer: Massiere jede Partie etwa 20-30 Sekunden lang. Achte darauf, dass du die gesamte Kopfhaut abdeckst. Atme dabei tief ein und aus – Entspannung ist der Schlüssel!

 

Quellenangaben:

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